Was gilt beim Bausparvertrag in Sachen Steuer?

Kann man einen Bausparvertrag von der Steuer absetzen?
Kann man einen Bausparvertrag von der Steuer absetzen?

Das Bausparen ist nach wie vor das beliebteste Sparmodell in Deutschland. Dennoch ist vielen nicht klar, wie ein Bausparvertrag steuerlich behandelt werden soll.

Muss ein Bausparvertrag in der Steuererklärung erwähnt werden? Sind Steuern für den Vertrag fällig? Kann er von der Steuer abgesetzt werden?

Dieser Ratgeber erläutert, welche Regelungen beim Bausparvertrag in Sachen Steuer bestehen und schlüsselt auf, wann Sie Beträge absetzen können.

Kurz & knapp: Informationen zur Steuer beim Bausparvertrag für Schnellleser

Lassen sich die Einzahlungen von der Steuer absetzen?

Nur die Einzahlungen in Riester-Bausparverträge sind von der Steuer als Sonderausgaben absetzbar.

Müssen die erwirtschafteten Zinsen versteuert werden?

ja, die Zinsen, die Sie für Ihren Bausparvertrag erhalten, sind steuerpflichtig. Maximal 25 % des Ertrages werden abgezogen.

Können Sparer von Freigrenzen profitieren?

Mit einem Freistellungsauftrag können Sie eine Freigrenze von bis zu 801 Euro pro Person von der Steuer befreien lassen. Sie können diesen unter Umständen auch rückwirkend geltend machen und bereits gezahlte Steuern zurückerhalten.

Den Bausparvertrag bei der Steuer angeben: Lohnt sich das?

Die Zinsen von einem Bausparvertrag sind zu versteuern.
Die Zinsen von einem Bausparvertrag sind zu versteuern.

Nur unter ganz bestimmten Umständen können Sie die Einzahlungen in Ihrem Bausparvertrag von der Steuer absetzen. Doch auch, wenn Ihr Bausparvertrag nicht steuerfrei ist, muss er unter Umständen in der Steuererklärung angegeben werden – ggf. bittet Sie nämlich das Finanzamt zur Kasse.

Dann können Sie einen Bausparvertrag steuerlich absetzen

Sie können Ihren Bausparvertrag von der Steuer absetzen, wenn es sich um einen Riester-Bausparvertrag handelt. Dieser muss dem Erwerb von Wohneigentum dienen.

Achtung! Sind Sie als Selbstständiger tätig und zahlen Sie nicht freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein, gelten Sie nicht als „riesterförderfähig“. In diesem Fall können Sie Ihren Bausparvertrag in der Steuererklärung nicht absetzen.

Können Sie Ihren Bausparvertrag von der Steuer absetzen, sind entsprechende Angaben in der Anlage Altersvorsorge (Anlage AV) zu tätigen.

Für die Auszahlung eines Bausparvertrags Steuern zahlen?

Seit 2009 gelten die Zinsen, welche Bausparer erhalten, als Kapitalerträge. Das bedeutet, dass sie besteuert werden müssen. Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % der erwirtschafteten Beträge und wird direkt von der Bausparkasse abgeführt.

Addieren sich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer hinzu, werden satte 28,5 % der Zinseinahmen Ihres Bausparvertrags als Steuer einbezogen. Dies macht sich besonders dann bemerkbar, wenn Sie zum Ende Ihres Vertrags Bonuszinsen erhalten, bei welchen der gesamte Bausparvertrag rückwirkend höher verzinst wird.

Übrigens: Erhalten Sie eine Wohnungsbauprämie, muss diese nicht versteuert werden.

Dank Freistellungsauftrag die Steuer nicht zahlen: So geht es

Mit Freistellungsauftrag zahlen Sie weniger Steuer für Ihren Bausparvertrag.
Mit Freistellungsauftrag zahlen Sie weniger Steuer für Ihren Bausparvertrag.

Erteilen Sie Ihrer Bausparkasse einen sogenannten „Freistellungsauftrag“, können Sie Freigrenzen durchsetzen. Diese betragen maximal:

  • 801 Euro für Einzelpersonen
  • 1.602 Euro für Ehepaare

Der Freistellungsauftrag muss von dem Inhaber des Bausparvertrags erteilt werden, um wirksam zu sein. Passende Muster stellt Ihre Bausparkasse zur Verfügung – oftmals können Sie den Auftrag auch online mittels Online-Banking erteilen.

Beispielrechnung – So wirkt sich der Freistellungsauftrag beim Bausparvertrag auf die Steuer aus:

Zinsertrag: 1.500 Euro
Abgeltungssteuer ohne Auftrag: 375 bis 427,5 Euro
Abgeltungssteuer mit Auftrag (Einzelperson): 175 bis 199 Euro
Abgeltungssteuer mit Auftrag (Ehepaar): 0 Euro

Übrigens: Haben Sie den Vertrag vor dem 30.06.2010 aufgenommen oder wurde er mit einem Auffüllkredit bzw. einem Darlehen bedient, können Sie den Auftrag auch rückwirkend erteilen. In diesem Fall erhalten Sie die abgeführten Steuern zurück.
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Was gilt beim Bausparvertrag in Sachen Steuer?
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{ 3 comments… add one }
  • Björn 5. Juni 2018, 13:21

    Danke schön für den kurzen und sehr informativen Bericht. Jetzt kläre ich ab, ob ich einen Freistellungsauftrag schon erteilt habe und dann beantrage ich die Auszahlung meiner Bausparsumme. Eine Frage habe ich: Wie bekomme ich heraus, wem ich alles schon einen Freistellungsauftrag erteilt habe und wie hoch die gesamte Summe ist?

    Liebe Grüße

    • vorfaelligkeitsentschaedigung.net 11. Juni 2018, 13:23

      Hallo Björn,

      das sollte bei den betreffenden Bausparkassen zu erfragen sein.

      Vorfaelligkeitsentschaedigung.net

  • Raphael G. 17. April 2019, 9:58

    Schön geschrieben, ich war mir gerade selbst nicht sicher ob bei Bausparverträgen auch Kapitalerträge versteuert werden müssen. Aber eig. klar in Deutschland :D
    Ein Punkt ist noch wichtig, dass max 25% auf die Erträge versteuert werden müssen und nicht mindestens. Denn die Differenz zwischen 25% und dem eigenen persönlichen Steuersatz kann man sich in seiner Steuererklärung wieder zurückholen.

    Hr. Scholz von der SPD möchte einen generellen persönlichen Steuersatz auf Kapitalerträge und nicht mehr die Limitierung auf die 25%. Aber das ist wieder ein anderes Faß…
    Lieber Gruß Raphael :)

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