Ihr Bausparvertrag wurde gekündigt? Ein Widerspruch ist meist möglich

Eine Bausparkasse kündigt Altverträge, um Verluste zu vermeiden.

Eine Bausparkasse kündigt Altverträge, um Verluste zu vermeiden.

Seit 2007 kündigen einige Bausparkassen im großen Stil alte Verträge. Die Entwicklung der Bauzinsen seit der Eurokrise führte dazu, dass frühere Bausparverträge für die Kassen zum Verlustgeschäft wurden.

Verträge, welche schon seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind, werden aus diesem Grund schlichtweg gekündigt. Doch darf Ihre Bausparkasse den Vertrag einfach so beenden? Die Rechtslage ist keinesfalls eindeutig.

Wurde auch Ihr Bausparvertrag gekündigt? In diesem Ratgeber erfahren Sie, ob und wie ein Widerspruch gegen die Maßnahme möglich ist. Mithilfe unserer kostenlosen Vorlage können Sie anschließend gegen die Kündigung vorgehen.

Icon Vorfälligkeitsentschädigung

Kurz und knapp: Informationen zur Kündigung vom Bausparvertrag durch die Bausparkasse für Schnellleser:

  • Alte Bausparverträge werfen hohe Zinsen ab, daher kündigen viele Bausparkassen diese im Sinne des Bausparkollektivs.
  • Haben Sie die Bausparsumme noch nicht angespart, wenn Ihr Bausparvertrag gekündigt wird, können Sie einen Widerspruch einlegen.
  • Hat sich im Laufe der Jahre allerdings die gesamte vereinbarte Summe angehäuft, haben Sie keinen Anspruch mehr auf das Fortbestehen des Vertrags.
  • Gerne können Sie zum Widerspruch gegen die Kündigung von Ihrem Bausparvertrag unseren kostenlosen Musterbrief verwenden.

Warum wurde Ihr alter Bausparvertrag gekündigt?

Die Kündigung von Bausparverträgen durch die Bausparkasse ist nicht immer rechtens.

Die Kündigung von Bausparverträgen durch die Bausparkasse ist nicht immer rechtens.

Grundsätzlich darf Ihre Bank Ihren Bausparvertrag kündigen, wenn Sie Ihren vertraglichen Pflichten nicht nachkommen.

Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Sie mit mehr als zwölf Regelsparbeiträgen im Rückstand sind.

Dann haben Sie eindeutig gegen die Vereinbarungen Ihres Bausparvertrags verstoßen und die Bank hat das Recht, zu kündigen.

Doch was, wenn Ihr Bausparvertrag gekündigt wird, obwohl Sie sich stets an die vertraglichen Vereinbarungen gehalten haben?

Bausparkassen kündigen Altverträge im Sinne des Bausparkollektivs

Bausparverträge funktionieren mittels eines Kollektivs: Vereinfacht ausgedrückt zahlen verschiedene Bausparer in einen großen Topf ein. Aus diesen gemeinsam eingesparten Verträgen werden die Zinszahlungen und Darlehensauszahlungen finanziert.

Jene Bausparverträge werden gekündigt, welche das Kollektiv besonders belasten – und bei welchen der Bausparkasse keine Gewinne zukommen. Dies ist beispielweise bei einem alten Vertrag mit hoher Verzinsung der Fall, welcher jahrelang zuteilungsreif ist. Nimmt der Inhaber das ihm zustehende Darlehen nicht in Anspruch, erhält er weiterhin regelmäßige Zinszahlungen.

Diese Verträge entwickeln sich für die Banken zu Verlustgeschäften, da sie die vergleichsweise hohen Zinsbelastungen nicht refinanzieren können. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Bausparkasse aufgrund eines Minusgeschäftes ihren Kunden einfach kündigen darf.

Bei Abschluss des Bausparvertrags erhalten Bausparer das Recht, ein Darlehen zur Baufinanzierung aufzunehmen, wenn sie eine bestimmte Mindestsumme angespart haben. Dieses Recht bleibt bestehen, bis dem Betroffenen die gesamte Bausparsumme zur Verfügung steht.

Die Bausparkasse kündigt Ihren Bausparvertrag? Dann ist ein Widerspruch sinnvoll!

Sie können unter Umständen der für Ihren Bausparvertrag ausgesprochenen Kündigung widersprechen.

Sie können unter Umständen der für Ihren Bausparvertrag ausgesprochenen Kündigung widersprechen.

Wird ein alter Bausparvertrag gekündigt, bedeutet dies für Betroffene den Verlust einer moderat erfolgreichen Geldanlage.

Aufgrund des Zinsverfalles innerhalb der letzten Jahre können Verbraucher ähnlich hohe Zinsen nur durch riskante Geschäfte erwirtschaften.

Daher lohnt es sich, auf ein Fortbestehen des Vertrags zu pochen. Ein Widerspruch sorgt genau dafür. Allerdings ist dieses Vorgehen nicht in jeder Situation für Bausparer möglich.

Ist Ihr Bausparvertrag gekündigt worden, sollten Sie vorerst einen kühlen Kopf bewahren. Ein Finanzexperte kann Ihnen Ihre Optionen aufzeigen und bei eventuellen Maßnahmen helfen.

Noch unklare Rechtslage

Verschiedene Urteile wurden bereits zur Kündigung von alten Bausparverträgen durch Bausparkassen gefällt. Die Entscheidungen fielen unterschiedlich aus.

Allerdings scheint sich Ende 2016 ein deutlicher Trend zugunsten der Bausparer abzuzeichnen. So entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe am 8. November des Jahres, dass der Bausparvertrag nicht gekündigt werden darf, wenn die Bausparsumme noch nicht angespart wurde. Damit bestätigte es ein Urteil des Landgerichtes Stuttgart vom 3. März 2016.

Solange die Bausparsumme nicht erreicht wurde, besteht der Anspruch des Bausparers auf ein Darlehen fort. Daran gekoppelt ist das Recht auf das Bausparkonto und die Erfüllung der Vertragsvereinbarungen.

Dem gegenüber stehen jedoch ebenfalls mehrfache Gerichtsentscheidungen. Das Oberlandesgericht Koblenz entschied beispielsweise am 29. Juli 2016, dass Bausparkassen Verträge kündigen dürfen, welche seit mindestens zehn Jahre zuteilungsreif sind.

In diesem Fall schlüpfen die Kassen nach Ansicht des Gerichtes in die Rolle eines Darlehensnehmers, welchem gemäß § 489 BGB zehn Jahre nach Auszahlung des Kredits ein Kündigungsrecht zusteht.

Das Erreichen der Zuteilungsreife wird in diesem Kontext von einigen Gerichten als Auszahlung der gesamten Darlehenssumme verstanden. Bausparkassen kündigen Verträge auf dieser Basis. Experten – unter anderem die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg – zweifeln diese Auslegung jedoch schärfstens an.

Bausparvertrag gekündigt? Voraussetzungen für einen Widerspruch

Bausparvertrag gekündigt? Was Sie tun können, verrät Ihnen ein Anwalt.

Bausparvertrag gekündigt? Was Sie tun können, verrät Ihnen ein Anwalt.

Wurde Ihr Bausparvertrag gekündigt, können Sie gemäß oben genannter Urteile unter bestimmten Umständen widersprechen. Haben Sie damit Erfolg, bleibt der Vertrag bestehen und Sie erhalten weiterhin Guthabenzinsen von der Bausparkasse.

Wann steht Ihnen die Option offen? Folgende Punkte müssen zutreffen:

  1. Sie haben sich an die Vertragsvereinbarungen gehalten
  2. Sie haben einen eventuellen Verrechnungscheck nicht eingelöst
  3. Die Bausparsumme wurde noch nicht angespart

Trifft letzterer Punkt nicht zu, haben Sie kein Anrecht auf das Fortbestehen des Vertrages. Dieser wurde schließlich zu dem Zweck aufgenommen, diese vorab festgelegte Summe zu erhalten.

Darüber hinaus muss die Bausparkasse keine Leistungen erbringen.

Sonderfall: Beim Bausparvertrag ist die Kündigung durch die Bausparkasse nicht zulässig, wenn die Bausparsumme nur unter Einberechnung der Bonuszinsen erreicht wurde.

Den Widerspruch gegen die Kündigung vom Bausparvertrag dank Muster einreichen

Ihr Bausparvertrag wurde gekündigt und Sie möchten dies nicht akzeptieren? Gerne können Sie unser kostenloses Muster dazu nutzen, Ihr Recht durchzusetzen:

Ihr Name
Ihre Adresse
Ihre Kontaktdaten: Telefon und E-Mail

Name der Bausparkasse
Adresse der Bausparkasse

Datum:

Betreff: Widerspruch gegen die Kündigung des Bausparvertrags Nr. [Nummer einfügen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit widerspreche ich der Kündigung oben genannten Bausparvertrags. Optional: Ihren mit dem Kündigungsschreiben versandten Check werde ich daher nicht einlösen.

Ein Kündigungsrecht gemäß § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB lässt sich in diesem Fall nicht ableiten. Auch, wenn Sie als Darlehensnehmer gelten, findet eine vollständige Auszahlung des Darlehens erst dann statt, wenn die Bausparsumme angespart wurde (OLG Karlsruhe – Urteil vom 08.11.2016 – Az. 17 U 185/15).

Der Vertrag wurde über eine Bausparsumme von [Bausparsumme einfügen] geschlossen. Mein bisheriges Sparguthaben beträgt allerdings [Bausparguthaben einfügen] – weit weniger, als die vereinbarte Bausparsumme.

Da mein Bausparguthaben noch weit unter der vereinbarten Bausparsumme liegt, besteht mein Anspruch auf Darlehensaufnahme weiterhin. Meinen vertraglichen Verpflichtungen bin ich stets nachgekommen. Ich erwarte von Ihnen daher weiterhin Vertragstreue.

Sollten Sie mein Sparguthaben entgegen unseres vertraglichen Übereinkommens auf ein anderes Konto anlegen, behalte ich mir die mir laut Bausparvertrag zustehenden Rechte weiterhin vor.
Ich bitte um eine Eingangsbestätigung dieses Schreibens.

Mit freundlichen Grüßen
……………………………………………………………………………………………
Ort, Datum, Unterschrift

Aufgrund der unterschiedlichen Urteile ist eine Verweigerung seitens der Bausparkassen möglich. Ein Anwalt für Finanzrecht kann Sie in diesem Fall unterstützen. Alternativ können Sie sich ebenfalls an eine Verbraucherzentrale wenden, um Hilfe zu erhalten.

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